Digitale Zukunft: Wo bleibt die Konterrevolution der Politik?

 

Irgendwie finde ich es kurios: Die Digitalisierung bietet nahezu unbegrenzte revolutionäre Möglichkeiten in Bereichen wie z.B. Produktion, Mobilität, Medizin oder Energieeffizenz. Doch ausgerechnet jetzt hat sich die Politik weltweit entschlossen keine Visionen mehr zu entwickeln und verfällt lieber in eine Art rückwartsgewandten Reaktionismus.


Wo sind die zukunftsweisenden Konzepte und Ziele, welche die politischen Vertreterinnen und Vertreter der ersten Reihe noch im letzten Jahrhundert permanent forderten? Der erste Mensch auf dem Mond, eine 35-Stunden-Woche, ein vereintes Europa. Alles Visionen, welche die Politik einst hervorgebracht hat. Zugegeben: Alles hat bis heute nicht so ganz funktioniert. Aber darum geht es meines Erachtens nach auch gar nicht.

 

In Zeiten von heutigen, gesellschaftlichen Umwälzungen durch die Angst vor Flucht und Terror brauchen die Menschen mehr denn je Zukunftsvisionen, Ideen, ja einen regelrechten Funken, der wieder auf die Menschen überspringt und sie wieder dazu antreibt, ihre Gesellschaft gemeinsam aktiv, demokratisch und freiheitlich mitzugestalten.
Doch was erleben wir? Kaum ein politischer, visionärer Gedanke, der über eine Legislaturperiode hinaus geht und nicht - womöglich aus Verzweiflung heraus – reaktionär handelt. Stattdessen überlässt die Politik es lieber Konzernen wie Facebook, Google, Apple, Airbnb oder Tesla die Visionen der Menschen zu gestalten.

 
Das Internet, das Smartphone, das Aufkeimen von Social Media, Fortschritte in Robotik und der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz revolutioniert unseren Alltag und die Politik scheint meist mit großen Augen, hilflos und überfordert daneben zu stehen. Denn schon heute verändern führende Technologiekonzerne die Spielregeln und Voraussetzungen unserer Gesellschaft stärker und schneller als jede Gesetzgebung und in nie gedachtem Maße.


Wollen wir es wirklich einer Hand voll Konzernen aus dem Silicon Valley überlassen, unsere Gesellschaft von morgen zu gestalten? Es scheint als ob. Denn was sieht man tagtäglich auf der Straße, im Café, im Restaurant: Aufs Smartphone starrende und lethargisch wirkende Menschen, die sich teilweise eher im virtuellen Raum bewegen scheinen zu wollen und sich von ihrer Außenwelt regelrecht „abkapseln“.


Sicherlich klingt das dem ein oder anderen nun etwas sehr zugespitzt, doch haben Erfindungen wie bspw. Social Media oder das Smartphone unsere Gesellschaft in den letzten Jahren sicherlich stärker revolutioniert, als z.B. eine EU-Verordnung über die Krümmung von Bananen oder eine Kaufprämie für unbezahlbare Elektroautos, als gedachte Zeitenwende heutiger Mobilität.
Es wird also höchste Zeit, dass die Politik Konzepte, Instrumente und Vorgaben auf unseren rasenden, digitalen Fortschritt entwickelt, bevor es eine Hand voll Konzerne tut.

 

Insofern stimme ich mit Bill Gates überein, der einmal sagte: „Wenn die Menschen Angst vor dem Fortschritt haben, statt sich zu freuen, dann bekommen wir ein richtiges Problem.“

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0